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30.12.2018

Festglanz im Blasorchester-Sound


Unter der umsichtigen Leitung ihres Dirigenten Kevin Linnemann begeisterte die Stadt- und Feuerwehrkapelle in der Pfarrkirche St. Martin. Foto: Heinz Braunsmann

Sendenhorst hat eine riesige Pfarrkirche, die weithin sichtbar das Bild der Stadt zeichnet. Groß ist auch ihr neugotischer Innenraum – aber nicht groß genug für ein Konzert der Stadt- und Feuerwehrkapelle, die am Sonntag zum Weihnachtskonzert geladen hatte. „Kommet ihr Hirten“, so lautete einer der Titel im stimmungsvollen Programm, und diesem Aufruf waren so viele Zuhörer gefolgt, dass es in St. Martin enger wurde als es im Stall zu Bethlehem je hätte sein können. Sitzplätze waren Mangelware, also drängte man sich im Turm, in den Seitengängen, an den Wänden und überall, wo noch ein Fuß auf den Boden passte.

Auch Sendenhorsts neuer Pastor Klemens Lübbers, der einige weihnachtliche Gedanken in den Konzertablauf integrierte, zeigte sich beeindruckt sowohl von dem überwältigenden Zulauf als auch von der Qualität des Orchesters, das sein Können mit einer Reihe von teilweise recht anspruchsvollen Konzertstücken unter Beweis stellte.

Den Beginn machte das stimmungsvolle polnische Weihnachtslied „Dzisiaj w Betlejem“ (Heute in Bethlehem), das von der Geburt Jesu berichtet. Folgerichtig erklang darauf der Choral „Zu Bethlehem geboren“, eines von drei Stücken zum Mitsingen, wovon die Zuhörerschaft begeistert Gebrauch machte.

Es folgte ein viersätziges Variationswerk zu dem Thema „Morgen kommt der Weihnachtsmann“, das Kevin Linnemann, der souveräne Leiter des fast 60-köpfigen Orchesters, selbst komponiert hatte. Das bekannte Thema trat in allen vier Sätzen in immer neuem Gewand auf, wurde rhythmisch, melodisch und tonal geschickt verfremdet, blieb aber für den Zuhörer stets durchhörbar. Man darf dem jungen Leiter der Stadt- und Feuerwehrkapelle ein gutes kompositorisches Geschick attestieren, das durch einen sehr umsichtigen und zielorientierten Umgang mit den einzelnen Segmenten seines Klangkörpers geprägt ist, zweckdienlich in der Stimmführung, abwechslungs- und ideenreich ohne dabei übertriebene Effekthascherei zu betreiben.

Auch das Orchester agierte sehr diszipliniert und reagierte punktgenau auf Linnemanns umsichtiges und griffig ökonomisches Dirigat, so dass die folgenden Konzertbeiträge jeweils zu klangvollen und dynamisch gut abgestuften Hörerlebnissen gerieten, sei es das „Fairytale of New York“ in seiner weichen pastoral anmutenden Beschwingtheit oder das sentimentale „O Holy Night“ des Elsässer Frühromantikers Adolphe Adam.

Als ein Paradestück des Orchesters entpuppte sich das Potpourri „Symphonic Highlights Frozen“ mit Melodien aus dem Disney-Film „Die Eisprinzessin“ – ein Ausflug in den kommerziellen Weihnachts-Glamour der schon in der Anmoderation als „einfach nur kitschig“ beschreiben wurde. Geschmackssache. Die Weihnachtsliteratur für Blasorchester jedenfalls ist prall gefüllt mit attraktiven Arrangements, die sich hier vielleicht eher anbieten.

Das ändert aber nichts an der herausragenden Leistung der glänzend aufgelegten Stadt- und Feuerwehrkapelle, die sich als wohlklingendes und ausgewogenes symphonisches Ensemble von erstaunlich hohem musikalischen Niveau präsentierte. Das quittierte dann auch das Publikum zu Recht mit tosendem Beifall und forderte zwei Zugaben ein, die mit „Feliz Navidad“ und „White Christmas“ vom Orchester effektvoll eingelöst wurden.

Der besondere Dank galt natürlich dem Dirigenten Kevin Linnemann als Motor des Abends. Michael Chudalla, zweiter Vorsitzender des Orchesters, stellte dessen Leistung besonders heraus und bedankte sich für die viele Arbeit mit Zusatzproben, Satz- und Registerproben, einem eigens anberaumten Probenwochenende und den Arrangements bei seinem Orchesterchef. „Einer muss ja da sein, der den Hut auf hat“, meinte Chudalla.

Dem kann man nur zustimmen – Hut ab!

 

Westfälische Nachrichten 27.12.2018 / Heinz Braunsmann


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